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Heimatkunde - spaßig!
Stadtführer Alfred Stemmler zur Geschichte Reklinghausens
Neue Erkenntnisse zur umstrittenen Altersdatierung unserer Stadt liefern jüngst bekanntgewordene Dokumente aus dem Nachlass von Dr. Ferdinand Schultz. Dieser hochgebildete Sohn der im 19. Jh. berühmten Wirtin des „Römischen Hofes“, die als „Schultz-Mamma“ zu literarischen Ehren kam,   wurde am 25. März 1814 in Recklinghausen geboren. Da das Petrinum zwar schon „Vollanstalt“ aber genau gesehen doch noch ein „Brettergymnasium“ war, machte der strebsame Junge sein Abitur 1832 am weitaus renommierteren Münsteraner Paulinum. Seiner Mutter lag der eifrige Student der Altphilologie nicht lange auf der Tasche, wurde er doch bereits mit 21. Jahren zum Doktor promoviert. Nachdem er sich u.a. zehn Jahre in der tiefsten westpreußischen Provinz als Gymnasialdirektor bewährt hatte, erhielt er 1856 den Chefposten an seiner alten Penne. Zehn Jahre später erfolgte die ehrenvolle Ernennung zum Regierungs- und Provinzialschulrat.

Doch genug zur Karriere dieses zu Unrecht vergessenen Recklinghäusers. Gewährsleute aus seiner Familie wussten zu berichten, dass der Knabe Ferdinand und alle nach ihm geborenen Geschwister einen irdenen Nachttopf benutzten, der bei der Aushebung zur Baugrube des römischen Hofes geborgen wurde. Es handelt sich um ein reichverziertes Exemplar aus Terra sigillata, das leider bei der Zerstörung des ersten Halterner Römermuseums im zweiten Weltkrieg verloren gegangen ist. Den kleinen Ferdinand faszinierte besonders die sinnige Inschrift: „ Per aspera ad astra!

Die gelegentlich kolportierte ältere Auffassung, daß Straße und Quartier „Im Rom“ einen römerzeitlichen Ursprung hätten, wird nun umso plausibler, als der spätere Besitzer des Römischen Hofes, Eduard Randebrock, bei Errichtung seiner Posthalterei nicht nur diverse Münzen aus augusteischer Zeit, sondern auch eine zeittypische Wasserleitung ausgegraben hat. (1) Sie verlief von dem verschiedentlich vermuteten Wachtposten des Lazaretts der 19. Legion aus Haltern am nordwestlichen Ende des heutigen Kirchplatzes, das dortige natürliche Gefälle nutzend, der späteren Romstraße folgend Richtung Engelsburg. Auf Hygiene bedacht und ihrer Bedeutung als Kulturträger bewußt, hatten die hierher abkommandierten römischen Offiziere – allen voran ein bisher in der Literatur erstaunlich unbekannter Centurio Aproximus Profundus – ein im Wortsinn astreines Wasserklosett aus dem damals noch reichen Eichenholzbestand vor dem Lohtor zimmern lassen. Anders als unser Baumstammbrunnen bei Paulsörter ist dieser dendrochronologisch sicher hoch interessante Donnerbalken im Zuge späterer Wanderraten-Invasionen, die uns die heimische Geschichtsschreibung schamhaft verschweigt, längst untergegangen. Die römischen Münzen bildeten jedoch den Grundstock für Randebrocks Konto bei der damals noch nagelneuen Kreissparkasse.

Anmerkung: Doktor Benno Weimann hätte seine Geschichte der öffentlichen Wasserversorgung im Kreis Recklinghausen sicher gerne umgeschrieben, wenn er das alles gewußt hätte.

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